Sorten / Edelsorten / Sämlinge

Begriff "Sorten" : eine "Sorte" wäre z.B. beim Apfel  die Sorte "Braeburn".  Hier wurden von einem ursprünglichen Sämlings-Baum der aus einer Laune der Natur heraus richtig gute Äpfel liefert tausende ,zehntausende oder noch mehr 1:1 Abkömmlinge durch Veredeln vermehrt. Veredeln ist im Prinzip wie "Klonen".

Es gibt bei Walnuss verhältnismäßig wenige "Sorten" die in mehr oder weniger großem Umfang in speziellen Baumschulen veredelt werden.  Veredeln von Walnuss können nicht viele Leute.  Die meisten Bäume Landauf Landab sind "Sämlinge". Meiner Einschätzung nach mindestens 95%.  Es wird also zumeist von Mensch ( oder Tier )  eine Nuss absichtlich oder auch weniger absichtlich gepflanzt und es wächst daraus ein Baum. Der ist dann dementsprechend genetisch sozusagen "einzigartig".   Jeder Baum der nicht veredelt wurde ist ein Sämling und kann nicht zu einer "Sorte" zugeordnet werden  - mehr dazu weiter unten bei "Sämlinge"

Variationen:   Die Streubreite der Walnuss bei uns ist schier grenzenlos. Ich habe ganz kleine Nüsse gesehen von ca. 13mm Durchmesser bis zu 50 mm Durchmesser und 65mm Länge. Die Formen streuen von Kugelrund über Elypsen- oder Tropfenförmig , umgekehrt Tropfenförmig bis hin zu "etwas Würfelförmig" oder plattgedrückt..
Die Schalen können stark gefurcht oder ganz glatt, dick oder dünn, gut geschlossen oder beim Ablösen vom Baum schon offen sein - letzteres bringt aber dann große Gefahr von Schimmel am Kern mit sich.   Manche Nussschalen lassen sich ganz leicht von Hand öffnen und der Kern ist einfach so zu entnehmen , bleibt teilweise sogar "am Stück ganz"  ,  bei anderen braucht man einen Schraubstock um die Nuss zu knacken und der Kern geht dann trotzdem nur Stückweise raus.  Ähnlich verhält sich das mit das mit dem Inhalt. Von "leeren Nüssen" bis zu 55% Kernanteil ist die bekannte normale Streubreite.    Der Geschmack streut auch von Süß über neutral bis kräftig-nussig und teilweise sogar richtig stark bitter.
 

                                                                       

Edelsorten:

Bei den  "Deutschen Sorten " wurden im Prinzip irgendwann zwischen 1930 und 1940 viele viele Walnussbäume auf ihre Eigenschaften hin untersucht und aus angeblich 1.600 Sämlings-Bäumen wurden einige Einzelne selektiert die dann per Veredelung von kleinen Bäumen weitervermehrt.

Es wurde allem Anschein nach viel Wert gelegt darauf dass die Nüsse möglichst 40 - 50 % Kernanteil haben aber trotzdem gut geschlossen und leicht zu trocknen sind.  Auch wurden Geschmack  und Ölgehalt sowie die Gesundheit des Baumes und ein möglichst später Austrieb mit bewertet.  Diese Sorten haben alle einen Namen mit "G" ( steht für Geisenheim ) und einer Nummer . Seit dieser Zeit gibt es nur noch eine Neuzüchtung namens "Wunder von Monrepos" die laut Angaben positive Eigenschaften von mehreren Sorten verbindet. Und auch aus dem "Ostdeutschen Sortiment" wurden einige übernommen.    Andere Länder wie Frankreich , Tschechien , Ungarn oder Bulgarien sind hier in den letzten Jahren etwas aktiver. In den USA läuft seit 1990 ein Projekt bei dem bisher angeblich über 120.000 kleine Sämlings-Bäume gepflanzt wurden um daraus künftige "Sorten" zu selektieren.

Nur wenn veredelte Walnussbäume unter einen definierten Namen frei im Handel zu haben sind - oder waren - , würde ich von einer "Sorte" sprechen.

 

Sämlinge:

Ein Sämlingsbaum muss nicht zwangsläufig schlecht sein.  Bei uns auf dem Bauernhof  steht ein richtig großer , vermutlich etwa 90 - 100 Jahre alter Walnussbaum , der diese großen Nüsse trägt:

                                                                                                       

Die Nüsse sind schmackhaft, leicht zu knacken (mein kleiner Sohn konnte das ohne Werkzeug mit 2,5 Jahren) und der Ertrag ist reichlich.   Der Baum ist ein Sämling - also war beim einpflanzen der Nuss damals nicht klar was da mal an Nüssen dran kommt.   Aber dieser Baum ist auf jeden Fall gut.  Einen nächsten Sämling aus exakt diesen Nüssen hat jemand aus meiner Familie bereits vor etwa 30 Jahren gezogen, indem eine der größten Nüsse damals im Garten  eingepflanzt wurde. Aber die Nüsse, die an diesem "jüngeren" Baum dran sind, sind wesentlich kleiner, der Nachwuchs-Baum treibt etwas früher aus und die Nüsse werden 14 Tage früher reif.

Generell - so habe ich inzwischen gelernt - stecken in jeder Nuss die Gene vom Mutterbaum und die von den Pollen die die Nuss befruchtet haben. Das begründet sich darin, dass die meisten Bäume ihre Gene in den Nüssen nicht 1:1 weitergeben sondern dies immer eine Mischung aus Genen vom Mutterbaum und von einer irgendwie zufällig dahergeflogenen Polle ist.  Klar ist, dass gewisse Verwandtschaften und Ähnlichkeiten bestehen - aber in den seltensten Fällen wird der neue kleine Baum 1:1 die gleichen Eigenschaften haben. Die Pollen haben keinen Einfluss auf die Frucht aber auf die Gene des zukünftigen Sämlings-Baumes. Es verhält sich ähnlich wie bei Hühnern. Ein Huhn legt immer identische Eier, egal welcher Hahn beteiligt war    :-)    Was dabei rauskommt sieht man erst wenn man das Ei ausbrütet - oder die Nuss einpflanzt und wartet bis der neue Baum Früchte kriegt. . Durch oftmals versetzte Blütezeit von männlichen und weiblichen Blüten an einem Baum ist es zusätzlich so, dass viele Bäume sich gar nicht - oder nur kaum -  selbst bestäuben können.


 Es kann also durchaus sein dass man eine große Nuss einpflanzt und der "neue Baum" , welcher dann aber erst frühestens 5 , manchmal auch 20 Jahre später die ersten Nüsse abwirft , trägt - wenn es dumm läuft - viele ganz andere Gene in sich und bekommt z.B. Nüsse die klein sind , leer , schlecht schmecken oder gar am Baum schimmeln o.Ä.


Nur wenn ein Nussbaum sehr einzeln steht ( Umkreis 500m kein weiterer Nussbaum) so dass er von keinen "fremden Pollen" befruchtet werden kann, besteht eine gute Chance dass aus den Nüssen gezogene Sämlinge auch ziemlich dem Mutterbaum entsprechen. Das klappt aber auch nur dann, wenn der Baum ausnahmsweise einen parallelen Blütezeitpunkt von weiblichen Blüten und männlichen Pollenkätzchen hat.  Sinngemäß können aber dann trotzdem noch die Gene der Vorfahren durchschlagen. Somit ist " einfach Nüsse einpflanzen" mit sehr hohen Unsicherheitsfaktoren behaftet wenn es darum geht dass man im Garten nur Platz hat für einen Baum und in ein paar Jahren da eine vernünftige Ernte will.   Hier ist ganz klar einem veredelten Baum der Vorzug zu geben. Ein Nussbaum ist ja schließlich eine eher sehr langfristige Investition evtl. für mehrere Generationen.

Es halten sich hartnäckig Meinungen wie;
Ein Nussbaum muss mehrfach verpflanzt werden und somit zum "Heister" gemacht werden damit der große Nüsse kriegt. oder
Einem Nussbaum muss ein Dachziegel unter die Hauptwurzel gelegt werden damit er keine "Steinnüsse" kriegt. oder
Der Nussbaum muss so gepflanzt werden dass er in´s Gebirge schauen kann.

Ich vertrete die Meinung, dass es egal ist , ob der Baum einen Dachziegel unter der Hauptwurzel hat und / oder 3x umgepflanzt wurde - wenn die Gene es nicht hergeben dass er große Nüsse kriegt, dann kriegt er auch keine großen Nüsse.

 

Und um einem Baum die gewünschten Gene zu geben muss man Veredeln oder einen Absenker von einem gutem Baum zu Stande bringen. Stecklinge habe ich bisher nicht zum anwachsen gebracht  - angeblich soll das unter Laborähnlichen Bedingungen aber gehen.


Die Aussage mit dem erhöhten Standpunkt macht m.M. nur deswegen klar Sinn weil oft im Frühjahr Spätfrost in den Senken stattfindet und auf einer Anhöhe nebenan ist es gerade so um die 1-2° wärmer dass es den empfindlichen Trieben nichts macht - aber Einfluss auf die Nussgröße wird das keinen haben.

 

   Sollte jemand eine Info für mich haben über den Standort eines Nussbaumes der schöne, wirklich große Nüsse trägt ( mindestens wie ein Golfball oder größer) , und wo dann auch ein schöner Kern drin ist , dann bitte schreibt mir !!    

 

 

 

Ansonsten geht es hier zu den anderen Punkten :

 

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