Auf dieser Website findet ihr viele -vermutlich nützliche- Informationen zur Veredelung

 

zu allererst sollte jeder der sich mit diesem Thema beschäftig , diese Videos schon mal gesehen haben:

    Dr. Hans Sepp Walker:  Veredelung von Walnussbäumen:                                Und ein Video aus den USA:  

 

 


Mein persönlicher Werdegang war folgender: Ich habe mich dran gemacht und den Versuch gestartet, selber Walnuss zu veredeln, nachdem ich mich gründlich über´s Internet eingelesen und über Youtube informiert hatte.   - Also zumindest dachte ich das, und ich empfand es als eine Herausforderung das zu versuchen..


Gleich eins vorweg: Walnuss zu veredeln ist nicht einfach. Die ersten ca. 30 bis 40 - wenn nicht 50 Versuche waren bei mir trotz großer Sorgfalt allesamt misslungen. Das war ernüchternd......
Erst durch die Belegung eines Veredelungskurses bei Hr. Dr. Hans-Sepp Walker ( www.WalWal.ch ) aus der Schweiz und viele von Ihm genannte Tipps und Tricks konnte ich erste Erfolge verzeichnen.
Im Frühjahr 2016 hatte ich dann schon 4 Stück "kleine Klone" meines Baumes und einen AlWal (geschützte Schweizer Sorte) zu Stande gebracht.
Ein paar weitere Veredelungen wären vermutlich auch noch geglückt , jedoch habe ich feststellen müssen, dass GEDULD noch nicht meine Stärke war / ist....
 


Generell und kurz zusammengefasst:

Reiser und Beschaffenheit: Walnusszweige sind innen oft "hohl". Je mehr Holz und je weniger "Mark" vorhanden ist, um so größer die Chance dass der Versuch einer Veredelung glückt.
Es empfiehlt sich also "stärkere Reiser" mit bis zu 18mm Stärke zu verwenden. Dünne, schnell gewachsene Endstücke von Wassertrieben sind gar nicht geeignet. Unter ø 7-8 mm ist mir bisher noch nichts angewachsen.   Optimal sind Zweige aus dem Vorjahr. Sollte ein Baum keine "schönen Reiser haben" kann durchaus auch mit Stücken gearbeitet werden, die schon "älter" sind und einen Abzweiger mit frischen Knospen haben.   Die Tannenzapfenförmigen Knospen ergeben nur männliche Pollenkätzchen und sterben dann ab. Hier ist kein brauchbarer Austrieb für das Weiterwachsen zu erwarten, dementsprechend können diese Knospen entfernt und die Stelle mit Wachs versiegelt werden.

Reiserschnitt: erfolgt bei mir zwischen Weihnachten und Ende Februar und auch nur bei frostfreiem Wetter. Ob ein Reiserschnitt nach "Mondphasen" sich positiv auswirkt will ich in nächster Zeit noch herausfinden.   Wichtig ist: nach dem Schnitt möglichst schnellstens "kühl lagern" und auf keinen Fall längere Zeit in warmer Umgebung liegen lassen. Ich lagere meine Reiser in einem Kühlschrank und Sortenweise beschriftet in Plastiktüten. Zusammen mit den Zweigen werden ein paar feuchte Blätter Küchenrolle mit eingepackt . Wichtig ist, dass nichts was schimmeln könnte mit in den Packungen ist.  Es soll auch sehr gut mit feuchtem Sägemehr von Tannenholz funktionieren.   Temperatur 2° bis 6° macht die Zweige bis Ende Mai oder ggf. sogar noch länger haltbar. Man kann natürlich auch immer "frische Zweige" verwenden die man direkt vom Baum abschneidet und sofort zum Veredeln verwendet.
Sollten die Zweige am Baum schon ausgetrieben haben finden sich trotzdem immer "weiter hinten an den Zweigen" noch "ruhende Knospen" diese Stücke der Zweige können im Prinzip bis Juli zum Veredeln verwendet werden. Alle bereits angeschwollenen Knospen müssen aber weggeschnitten werden.

 

Unterlagen:  ich habe anfangs mehrere Bäumchen im Wald ausgegraben.  Durch die lange Pfahlwurzel ist das oft ein sehr anstrengendes Unterfangen und inzwischen habe ich rausgefunden dass "kleine Bäume" aus der Baumschule für schmales Geld zu haben sind.  Es lohnt sich also nicht wirklich hier großen Aufwand zu betreiben.  "In Töpfen gezogene Sämlinge aus Nüssen" haben bei mir bisher nur ganz miserabel schlechte Anwuchsquoten.   Diese Bäume haben ein so starkes Feinwurzelsystem und entsprechend so viel Saft dass die Veredelungsstellen bei mir regelrecht "absaufen" .  Mit Wurzelnackten Pflanzen die als "Forstpflanzen" über div. Baumschulen verkauft werden habe ich bisher die besten Erfahrungen gemacht. 

Zeitpunkt Veredelung : Veredelt wird von Dezember bis Juli - wobei sich die Zeit zwischen März bis Mai bevorzugt anbietet.
Veredelungen die schon Dezember bis Februar gemacht werden verlieren dann im Herbst recht früh die Blätter und kommen dann etwas aus dem "natürlichen Zeitablauf". Es haben bei mir sogar dann einzelne Bäumchen im Herbst nochmal angefangen neu auszutreiben. Veredelt man nach Juni, ist die Vegetationsphase für den Baum so kurz, dass der veredelte Trieb zu Beginn der kalten Zeit noch recht grün ist und wenig verholzt. Starken Frost verkraften solche Zweige dann nicht und man muss den kleinen Baum dann den ganzen Winter über geschützt vor Frost aber trotzdem kühl unterbringen. In Einzelfällen geht das, aber das macht zusätzlichen Aufwand.


Vorbereitung: Walnussbäume bündelweise in größere Töpfe in Erde einschlagen und in warme Umgebung stellen. Dann abwarten bis die Knospen anfangen größer werden und beginnen auszutreiben.  Dann ist es so weit:  die kleinen Bäume werden ein ganzes Stück "gekürzt" und sollen "bluten" , nach weiteren 3-5 Tagen nochmal kürzen.    Nach nochmal ca. 10 Tagen kann dann endlich veredelt werden.  Die Bäumchen können einzeln aus der Erde gezogen, gewaschen und am Ende mit klarem Wasser abgespült + abgetrocknet und die angedachte Veredelungsstelle mit 60%igem Alkohol desinfiziert werden.

Walnussbäume "bluten" wenn sie einen Schnitt bekommen sehr stark. Durch zurückschneiden des Baumes ca. 10-14 Tage vor dem Veredeln löst der Profi aus Amerika von dem 3. Video oben das Problem mit dem zu großen "Saftdruck". Auch ein Beschädigen des Baumes unterhalb der Veredelungsstelle oder zurückschneiden der Wurzeln ( falls der Baum getopft wird ) kann hier Abhilfe schaffen.

Es gibt viele Leute die mit einem Akkuschrauber 1x quer durch den Stamm bohren um den Saftdruck abzuleiten.... Sicher schwächt das den Baum, aber wenn die Veredelung gar nicht erst anwächst ist es noch schlechter !

Die Art der Veredelung:  Meine Favorisierte Veredelungsmethode persönlich ist die Kopulation - und zwar ohne Gegenzunge und als Verband dient bei mir Elektriker-Isolierband vom Baumarkt. Aber gute Qualität muss es sein, sonst lockert es sich. Damit kann man man die Veredelungsstelle auch etwas straffer fixieren.  Versuche mit einer Veredelungszange sind bei mir fast alle mißglückt.  Couronne-Veredelung funktioniert gut, verwächst aber nicht so schön und schnell wie eine Kopulation.  Plattenveredelung hat oftmals die höchste Anwuchs-Quote, es ist aber Übung und spezielles Werkzeug / Messer nötig.

Der Veredlungsvorgang an sich:  Beim Veredelungsvorgang selbst dürfen keine Keime oder Schmutz auf die Schnitt-Stellen kommen. Peinlich sauberes arbeiten bringt eine bessere Erfolgsquote.   d.H. Zweige + Unterlage vorher waschen + abtrocknen lassen + Werkzeug mit Alkohol desinfizieren.
Es wird sich die Schnittstelle nach dem Schnitt an der Luft in Kürze braun verfärben - bevor das passiert sollte die Veredelung bereits fertiggestellt sein und die Veredelungsstelle "luftdicht verpackt". Es ist also wirklich sehr zügiges Arbeiten angesagt.


Nach der Veredelung Es braucht der kleine Baum schnellstens möglichst konstant 30° Wärme + möglichst hohe Luftfeuchtigkeit für etwa 2-3 Wochen. Licht ist in dem Zeitraum nur nötig wenn eine Veredelungsmethode gewählt wird bei der noch Blätter am Baum verbleiben.  Gießen nur wenn nötig und dann aber nur mit "Warmwasser" das schon die Raumtemperatur haben soll. Wie man diese optimalen Bedingungen schafft bleibt jedem selbst überlassen.  Sollten nach unter 10 Tagen die Zweige anfangen auszutreiben, dann ist das ein schlechtes Zeichen denn erstmal sollte die Veredelungsstelle zusammenwachsen. Der Trieb zieht in dem Fall die Energie aus dem Edelreisstück und stirbt dann meistens ab.
Erst nach etwa 2-3 Wochen sollte durch Anschwellen der Knospen erkennbar sein ob die Sache geglückt ist und wenn ja, braucht der kleine Baum ab dann viel Licht, nicht mehr ganz so viel Wärme ( 20° reichen) aber nach Möglichkeit trotzdem weiterhin viel Luftfeuchtigkeit..   Wenn das Ganze mißglückt ist, kann ein weiterer Versuch ein paar Zentimeter weiter unten erneut erfolgen.   Ist eine Veredelung geglückt kann der "Verband" etwa 8 Wochen nach der Veredelung schon abgenommen werden.


In Frankreich werden Walnussbäume im Freiland veredelt. Bei uns ist eine gewisse Aussicht auf Erfolg nur dann da, wenn der Wetterbericht für die zwei Wochen nach der Veredelung möglichst warme Temperaturen (auch Nachts) voraussagt. Zudem wäre es sehr vorteilhaft die Veredelungsstelle nicht der prallen Sonne auszusetzen. Hier ggf. für Schutz sorgen.     Ich habe bisher 3 Stück "outdoor" veredelt die angewachsen sind aber auch viele vergebliche Versuche gemacht.

 

Unter "grafting Walnut" findet man recht viel bei Youtube - nur halt in allen möglichen Sprachen